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Autor Thema: Sind deutsche Opfer eigentlich "bessere" Opfer ?  (Gelesen 441 mal)
Tedi
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Wanderer zwischen den Welten


« am: Sonntag, 07.03.2010, 15:12:22 »

Immer, wenn irgendwo in der Welt etwas passiert ist, wo es Tote und/oder Verletzte zu beklagen gibt, seien es Erdbeben, Anschläge, Flugzeugabstürze ...  wird von unseren Medien die Zahl der deutschen Opfer gerne besonders erwähnt, während die übrigen Opfer nur beiläufig oder garnicht kommentiert werden.

Ich finde das echt zum kotzen und absolut inhuman.
Ich meine, klar, wir sind hier in Deutschland, und in anderen Ländern wird das entsprechend auch so sein.
Aber ist das ein Grund, die übrigen Opfer so despektierlich zu behandeln ?

Mir ist das erst neulich wieder im TV in einem Beitrag zum Erdbeben in Haiti aufgefallen, und auch schon bei diversen anderen Ereignissen. Ich frag mich: sind wir Deutsche wirklich so etwas Besonderes, dass das jedes mal extra hervorgehoben werden muss ? Sind deutsche Tote die "besseren" oder "wichtigeren" Toten ?

Sind im Tod nicht alle gleich ?
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*** Der Mühlenkreis - die Perle Ostwestfalens ! ***

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GeeKay
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So What ?!


WWW
« Antworten #1 am: Sonntag, 07.03.2010, 16:18:15 »

Hmm, genau diese Diskussion hatte ich heute beim Mittagessen auf die Bemerkung "... und einer kam sogar aus Halle" hin.
Den Nachrichtern geht es natürlich um die Identifikation mit den Opfern, die eine solche Nachricht noch dramatischer erscheinen läßt, je dichter an der eigenen Person (des Nachrichtenempfängers) ein solches Opfer früher lebte.
Vielleicht auch eine Form von "puuuh, knapp vorbei"-Nervenkitzels !?
In jedem Falle unverschämt und arschig, solche Vorgehensweise. Schön, daß ich mit meiner Meinung nicht allein stehe.
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Worte haben Macht! Besonders über den, der sie äußert ...
Abeelinae
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« Antworten #2 am: Sonntag, 07.03.2010, 16:20:02 »

Ich glaube kaum, dass jemand tatsächlich mehr "trauert", wenn deutsche Opfer zu beklagen sind. Tatsächlich ist es aber so, dass diese Angabe auch internationale üblich ist und durchaus einen Informationscharakter besitzt. Sprich, wenn ich Verwandte oder Freunde habe, die im Unglücksgebiet wohnen oder urlauben, ist ein direkter Kontakt meist nicht möglich. Trotzdem ist es relevant zu wissen, ob es ggf. schon eine finite Meldung gibt, anhand der man sich an einer vermittelnden Stelle über die nähere Identität der Opfer informieren kann. Außerdem dürfte es für das Krisenmanagement und die Zuordnung der Opfer auch ein wichtiges Klassifizierungsmerkmal sein, welcher Nationalität die Opfer angehören und an welche Stelle die Meldung weitergegeben wird. Die Nationalität ist nun mal der kleinste gemeinsame Nenner der Opfer einer Katastrophe mit internationalen Opfern, immerhin müssen die Leichen und Verletzte auch schnellstmöglich überstellt werden und das geht nun einmal über die Botschaft eines Landes und nicht über internationale Vertretungen oder Stadtverwaltungen etc.  

Edit: Sinnloser und "arschiger" finde ich eher die Angabe des Alters oder des Geschlechts, sprich: 100 Tote und sogar 10 Kinder und 4 Frauen...sowhat??!
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Nichts scheut der moderne Mensch mehr als ein Rendezvous mit sich selbst.
Davon lebt die Vergnügungsindustrie.

Fritz Muliar
maSu
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« Antworten #3 am: Mittwoch, 10.03.2010, 03:10:08 »

Frauen und Kinder sind eben einfach mehr Wert als Männer. Männer sind böse, brutal, gemein, gehen nicht mit einkaufen und helfen nicht im Haushalt, weil sie sich erdreisten arbeiten zu gehen, damit Frau einkaufen gehen kann, während das Kindermädchen (bei geringerem Verdienst: Fernseher) den Nachwuchs großzieht. Böse gemeine Welt.

Die reine Differenzierung zwischen Nationalitäten finde ich aber ebenso unsinnig. Bombe Explodiert in Südafrika, Johannesburg, 50 Tote, darunter 5 Deutsche und 3 Hamster. Wem bringt das Was?! Dort leben soviele Deutsche und jeder, der Angst um seinen Verwandten/Bekannten/Freund hat, der wird sich eh umgehend telefonisch oder sonstwie melden, bzw. es versuchen. Und wenn man die Person nicht erreichen kann, dann wartet man halt.

Es hat keinerlei Mehrwert, zu wissen, ob unter den 50 Toten nun 1 Mann mit einem besonders kleinen Genital war, nur weil die gute Frieda in Deutschland weiß: ihr Mann, hat ein kleines Genital und ist gerade in Johannesburg.

Von daher lehne ich jedwede "Unterscheidung" der Opfer, wodurch automatisch eine gewisse Wertigkeit impliziert wird, ab.
Tote sind Tote, egal welche Hautfarbe, Geschlecht oder Nationalität.

Auch glaube ich nicht, dass es dabei darum geht spezielle Informationen zu verbreiten, es geht primär darum zu schockieren und um so Aufmerksamkeit zu erzeugen, was im Folgenden dann in erhöhten Verkaufszahlen der Zeitung oder erhöhten Zuschauerzahlen(TV Internet) führt. Es geht darum, den "Krieg", das böse, bis nach Hause zu der runzeligen Frieda an den herd zu bringen, sodass diese um ihr Leben bangt oder zumindest betroffen ist udn sich dadurch für gut informiert hält und "mitreden" kann.

Es sterben jeden Tag soviele Menschen durch die verschiedensten Umständen, aber keine Arier, also ist es zuvielen scheissegal - zumindest größtenteils. Sobald die Massengräber nur groß genug werden, wird es wieder interessant. Leid verkauft sich eben einfach zu gut.
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Manche Menschen finden "Moral" so ungeheuer wichtig, dass sie sich selbige gleich doppelt zulegen !
Südwestende
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« Antworten #4 am: Mittwoch, 10.03.2010, 13:35:59 »

Nachrichtentechnisch - da hat Abeelinae treffend angesetzt - geht es um die Relevanz einer Meldung für die Zuschauer/Leser/Hörer, bzw. die "Verwertbarkeit" von Informationen. Da gilt der Grundsatz "je näher eine Information am Rezipienten der Nachricht ist, desto relevanter ist sie für ihn/sie. Deutsche hören/sehen/lesen die Medien in erster Linie und -ja, das ist Höhle - sie reagieren wie jede andere Bevölkerungsgruppe auch - stärker, wenn es jemand aus der gefühlten eigenen Horde erwischt. Das kann man nun als fehlendes Mitgefühl für andere Opfer interpretieren oder als sehr triviale Gefühlsregung klassifizieren. Fakt bleibt, das dieser Mechanismus funktioniert. Ob er medial in überzogerner Weise ausgeschlachtet wird, um Quote zu machen, ist eine Frage, die auch von anderen Faktoren abhängt. In der Tagesschau klingt das anders als bei InfoNewsTime XXL.....
In der Rubrik "Frauen und Kinder" haben wir es mit ähnlicher emotinaler Aufladung zu tun,i.d.R. sogar noch stärker als bei "Deutsche". Das ist wie mit der sicheren Kiste "mach was mit kleinen Kindern oder Hunden - geht immer". Auch hier ist es m.EA. eher eine Frage der Form der Präsentation, ob ich es fragwürdig finde - nicht das Element an sich.
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