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Autor Thema: Kultur oder nicht?  (Gelesen 745 mal)
Froschgyros
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« am: Donnerstag, 28.10.2010, 23:47:29 »

Nach dem der Islam in den Medien ausgiebig diskutuert worden und zum neuen Feindbild auserkoren ist oder wie der Bergheimer Pro NRW Typ vor kurzem aufgebracht fragte: "Glauben Sie ETWA dass die Zeitung lügt?" Mal eine heiß diskutierte Frage aus meiner Lebenswelt, in der Hoffnung, das ihr Lust auf Diskussion und Austausch habt:

Gehört Religion zur Kultur, also ist Religion Kultur oder nicht?

Ich sage nein und begründe das mal wenn ich ein paar Meinungen gehört habe.

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« Antworten #1 am: Freitag, 29.10.2010, 09:10:04 »

Also nach der gängigen Definition des Kulturbegriffs

http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur

ist Religion ein Teil der Kultur.

Was bedeutet denn für Dich Kultur?
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rat
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bla


« Antworten #2 am: Freitag, 29.10.2010, 11:20:47 »

Religion und Kultur hängen zusammen, da sie sich gegenseitig beeinflussen und das schon immer getan haben. Aber Kultur und Religion verändern sich kontinuierlich und es hat auch nie jemand behauptet, dass zu einer Kultur nur eine Religion gehören darf.
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Abeelinae
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« Antworten #3 am: Freitag, 29.10.2010, 11:23:52 »

Also nach der gängigen Definition des Kulturbegriffs

http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur

ist Religion ein Teil der Kultur.

Was bedeutet denn für Dich Kultur?

Wikipedia schützt hochgradig vor eigenen Gedanken, wa?

Meiner Meinung nach gehört Religion untrennbar zum weiten, schwammigen Feld der Kultur, da sie und ihre Gefolgsleute in der Vergangenheit Monopolstellung auf Wissens- und Kulturproduktstellung hatten, dies in einigen Bereichen noch haben, Recht- und Unrecht definiert haben und auch die Alltagskultur massgeblich geprägt haben. Ich will ehrlich gesagt weder wissen, wie die "deutsche" Kultur ohne das Christentum aussehen würde- nicht ganz so bequem wahrscheinlich- noch ohne die Aufklärung.

Und ich möchte in diesem Feld auch dem Islam keinen Platz einräumen, aber aus anderen Gründen, als ProNRW und das andere Gesocks anführen. Allein die Tatsache, dass Religion auf diese Art zu einem Politikum wird, ekelt mich sagenhaft an. Unsere Gesellschaft sollte eigentlich von weitaus moderneren Geisteshaltungen geprägt sein, als von ollen Religionskammellen.
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Fritz Muliar
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« Antworten #4 am: Freitag, 29.10.2010, 11:24:13 »

Wenn unter Kultur alles vom Menschen beenflusste und geformte verstanden wird, gehört auch Religion dazu. Es sei denn man ist religiös, dann formt und lenkt ja Gott alles. Gibts dann überhaupt Kultur?

Bin auf deine Auffassung jedenfalls gespannt.
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mathezombie
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« Antworten #5 am: Freitag, 29.10.2010, 13:35:13 »


Gehört Religion zur Kultur, also ist Religion Kultur oder nicht?



 Religion gehört sicher zur Kultur, färbt die Kultur, beinflusst die Kultur etc. Aber Religion an sich IST meiner Meinung nach keine Kultur für sich alleingenommen.
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« Antworten #6 am: Freitag, 29.10.2010, 13:40:34 »

Ich zitiere auch mal Wikipedia:
"Kult (v. lat.: cultus [deorum] = Götterverehrung, aus colere [im PPP cultum] = anbauen, pflegen), auch Kultus, umfasst die Gesamtheit religiöser Praxis. Das abgeleitete Adjektiv lautet kultisch – im Gegensatz zum slanghaften kultig als Adjektiv zu Kultstatus."
"Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“)"
zumindest von der Wortherkunft scheint es etwas miteinander zu tun zu haben ;-)
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« Antworten #7 am: Freitag, 29.10.2010, 15:38:02 »

Für mich ist Kultur alles, was Menschen hervorbringen und damit ihr eigenes Zusammenleben und die Umwelt formen/gestalten, also sichtbares Äußeres. Religion dagegen sind innere Bilder/Überzeugungen, die zwar von der äußeren, begreifbaren Welt beeinflußt werden, aber im Falle einer Religion auf transzendenten Glaubensbildern beruhen, die sich eben dadurch auszeichnen, dass sie außerhalb der begreifbaren Welt als existent angenommen werden.
Nach dieser Definition sind es zwei verschiedene Dinge, wobei die Religion einen grundlegenderen Charakter (und damit auch grundlegendere Wirkung?) hat.
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Abeelinae
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« Antworten #8 am: Freitag, 29.10.2010, 21:23:29 »

Für mich ist Kultur alles, was Menschen hervorbringen und damit ihr eigenes Zusammenleben und die Umwelt formen/gestalten, also sichtbares Äußeres.

Aber genau DAS trifft auf Religion zu. Man muss die Organisation in dieser Diskussion sehr deutlich vom Glauben trennen, denn letzteres ist etwas Individuelles. Religionen basieren aber auf Prozessen der Massenorganisation und Machtgewinnung und produzieren somit auch Sichtbares.
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Fritz Muliar
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« Antworten #9 am: Freitag, 29.10.2010, 22:18:14 »

Zitat
Wikipedia schützt hochgradig vor eigenen Gedanken, wa?

Oh... erstaunlich... ich hatte direkt nach meinem Post mit sowas gerechnet, nicht erst als zweites...

Ich denke niemals selbst, is viel zu anstrengend.
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Froschgyros
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« Antworten #10 am: Freitag, 29.10.2010, 23:22:51 »

Vielen Dank für die ganzen Äußerungen und Anregungen!

Zuerst: Lexikas, Nachschlagewerke, usw. erklären nicht die Wirklichkeit, sondern schaffen sie. Erklärungen sind deshalb in diesen Werken immer zirkulär.
Gebe ich im Duden "Intelligenz" ein, ist das Ergebnis: Die Fähigkeit abstrakt zu denken". Gebe ich "die Fähigkeit abstrakt zu denken" ein, ist das Ergebnis "Intelligenz" usw.
Also ist der Begriff Intelligenz nur ein Erklärungsmodel. Aber das ist eine eigene Diskussion.

Kultur ist für mich etwas, das vom Menschen geschaffen wurde.
Jetzt kann -sollte eigentlich auch- Religion und Glaube differenziert werden. Also (religiöser) Glaube hat nichts mit Religion zu tun und Religion nichts mit diesem Glauben und Kirche wiederum nichts mit Glaube, dafür mit Religion, usw. Aber das möchte ich vereinfachen, sonst könnten wir alle wissenschaftliche Arbeiten schreiben.

Bei mir ist die Frage in meinem Berufsalltag aufgetaucht. Arbeitskollegen/Innen, Institutionen, usw., sprechen z.B. von "Menschen mit Migrationshintergrund, bildungsfernen Schichten, und anderen Kulturen". Genau diese Menschen bezeichnen sich als "ich bin ausländer, moslem und arm" (Diese bescheuerten Definitionen, die nur beschöigen wären ebenfalls eine eigene Diskussion wert)  Smiley

Ich bin der Meinung, führt man den eigentlich Begriff, Glaube oder Religion, aus seine Ursprünge zurück, dann ist es etwas göttliches und mystisches. Also nichts greifbares, also nicht vom Menschen erschaffen und somit keine Kultur. Die Dinge, in denen Glaube/Religion übertragen wurde, Bibeln, Bücher, Kirchen und Moscheen usw. sind vom Menschen erschaffen, das ist dann Kultur. Aber im wesentlichen Kern hat Glauben für mich nichts mit Kultur zu tun.

Glaube und Religion beeinflusst natürlich das Zusammenleben und somit die Kultur, aber das tun andere Dinge, die oft noch nicht einmal beobachtbar, messbar, usw. sind auch. Sonst gäbe es schließlich gar keinen Integrationsprozess bzw. ein anderes Verhalten, Erleben, Einstellung usw. und der Kurde aus einem Dorf im Osten der Türkei, der 1960 nach Deutschland gekommen ist, würde noch genauso leben, handeln, denken und fühlen. Tut er aber nicht. Und wie wir alle wissen, gibt es zwischen diesen ganzen Begriffen komplexe Interaktionen, so dass nicht messbar ist, ob ein Gefühl, ein Gedanke (nicht messbar) ein Handeln ausgelöst hat.

Das hat jetzt wenig mit dem Thema zu tun, aber um den Kontext meiner Frage abzuschließen: der Glaube hat sehr wenig mit Integration (ich hasse dieses Wort) zu tun.
Mal abgesehen davon, das Integration ebenfalls mystisches Wissen und eine entscheidbare Frage ist, denn es gibt keine Parameter, die besagen, wann jemand integriert ist. Eine Aussage zu dieser Frage ist somit immer willkürlich. Für mich ist Integration einfach nur eine Wirklichkeitsanpassung, die eventuell am Verhalten messbar ist. Aber auch dafür gibt es keine Parameter oder Skalierungen und ich denke so eine komplexe Messung wird es auch niemals geben, denn am Verhalten sind wiederum subjektives Erleben, Gefühle und Gedanken und noch einiges mehr beteiligt.
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« Antworten #11 am: Sonntag, 31.10.2010, 12:27:32 »

Sorry ich hab da keine Erklärung für die Ausgangsfragestellung erkennen können...

Und alles was mit Integration und Kultur zusammenhängt, wäre wieder eine neue Frage!

Religion entsteht doch rational gesehen aus Dingen, die man sich nicht erklären kann. Das fing bei Naturreligionen an und endete bei ein paar Freaks die Langeweile hatten, sich Geschichten über nen langhaarigen Typen ausdachten und das dann "Bibel" genannt haben. Oder "Koran" oder was auch immer Schockiert)

Ich wäre auch übrigens nicht so naiv zu glauben, dass die obersten Funktionäre und Machthhaber der Religionen in der Masse nicht auch ihre Macht geniessen und danach streben, die Welt nach ihren eigenen Interpretationen oder Dogmen zu formen. Reicht ja wenn sie selbst glauben das zu tun was Gott will.
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« Antworten #12 am: Montag, 01.11.2010, 15:43:25 »

Lexikas, Nachschlagewerke, usw. erklären nicht die Wirklichkeit, sondern schaffen sie. Erklärungen sind deshalb in diesen Werken immer zirkulär.

Teil eins dieser Aussage sehe ich definitiv nicht so, Teil 2 ist deshalb aber nicht automatisch falsch, das kann durchaus passieren.

Gehört Religion zur Kultur, also ist Religion Kultur oder nicht?

Ja, Religion ist Kultur, aber nicht "die" Kultur, denke ich.
Zumal ja mancher Teile von Kultur zur persönlichen Religion erhebt ...

Das andere Ding ist das mit der alleinigen "Wahrheit" - ein ganz(!) eigenes Thema.
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« Antworten #13 am: Montag, 01.11.2010, 16:43:52 »

Gehört Religion zur Kultur, also ist Religion Kultur oder nicht?

Ja, Religion ist Kultur, aber nicht "die" Kultur, denke ich.


Du meinst, das ist so ne Art Mengenlehre ?
Teilmenge - Schnittmenge - Leere Menge - Vereinigungsmenge - Gleichheit ...




Ich glaub, Religion ist eine leere Menge.

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« Antworten #14 am: Mittwoch, 03.11.2010, 12:18:10 »

Ich finde auch, man muss hier ganz klar zwischen "Glauben" und "Religion" trennen, wobei man hier vielleicht auch wieder zwischen einfachem "Glauben" und einem
speziellen "religiösen Glauben" differenzieren könnte. Die Religion ist in ihrer Gesammtheit mit allen ihren positiven und negativen Seiten ein Teil der menschlichen Kultur,
alleine schon deswegen weil aus "religiöser Motivation" heraus (sei sie nun echt, oder vorgetäuscht) einige der bedeutensten Kunst- und Bauwerke der Menschheitsgeschichte
geschaffen wurden (Pyramiden, Tempel, Kathedralen, etc.). Das gilt nach meinem dafürhalten zumindest für Menschen, welche keinem "religiösen Glauben" anhängen.

Falls man die Definition der Kultur in soweit akzeptiert, dass Kultur alles vom Menschen geschaffene ist, muss man sich vielleicht die Frage stellen, Glaube ich an Gott, so wie ihn eine spezielle Religion präsentiert und glaube ich daran, dass diese Religion nur durch göttliches wirken in die Welt gekommen ist? Falls dem so ist, ist diese Religion ja nicht vom Menschen geschaffen und wäre somit kein Teil der Kultur. Wobei es sich dann wirklich nur um das theoretische Konstrukt der Religion handelt. Alles andere was aus dieser Religion hervorgeht und vom Menschen geschaffen wird wäre dann wieder Kultur.

Ich finde bei dieser Frage hängt wieder alles sehr stark vom persönlichen Standpunkt ab, kann daher bis ultimo dikutiert werden  Zwinkernd

Zitat
Lexikas, Nachschlagewerke, usw. erklären nicht die Wirklichkeit, sondern schaffen sie. Erklärungen sind deshalb in diesen Werken immer zirkulär.

Teil eins dieser Aussage sehe ich definitiv nicht so, Teil 2 ist deshalb aber nicht automatisch falsch, das kann durchaus passieren.


Da würde ich eher GeeKay zustimmen, aber halt auch nur eine Meinung.

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